Ansprachen 1994  
     
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1. Khutbah (Ansprache) im Freitagsgebet unter der Leitung Imam Khameneis, 17. Juni 1994

Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen

Lob sei Allah, dem Herrn der Welten. Wir preisen Ihn und bitten Ihn um Hilfe, Vertrauen tun wir auf Ihn, wir erbitten Vergebung bei Ihm und unser Gruß sei über Seinen Freund und unseren Freund und dem besten Seines Volkes, dem Bewahrer Seines Geheimnisses und dem Verkünder seiner Botschaft, Ankündiger Seiner Gnade und Überbringer Seiner Gaben, unseren Fürsten und Propheten Abi Al-Qasim Al-Mustafa Muhammad und über seine edlen, reinen, an seiner Seite stehenden Familie, die Erleuchter der Erleuchteten, die Unfehlbaren, besonders Baqiyyat-ullah fil arazin (gemeint Imam Mahdi a.s.) und unser Gruß sei über den Imamen der Muslime, den Unterstützern der Entrechteten und den Erleuchter der Gläubigen.

Vom Propheten Allahs ist (überliefert, dass er) sagte: "Husayn ist von mir und ich bin von Husayn" - ihm und seiner Familie sei Gruß -. (Und) er sagte: "Husayn ist die Leuchte der Rechtleitung und das Schiff der Rettung".

Allen betenden Schwester und Brüder und meine eigene Seele ermahne ich zur Ehrfurcht vor Gott, zur Einhaltung der Tugend, zur Vermeidung der Sünden und zur Erfüllung der Zufriedenheit des erhabenen Schöpfers. Dies ist die Quintessenz und Ziel des Lebens. Und dies ist die Ehre und das Glück für den Tag an dem "weder Besitz noch Söhne (etwas) nützen"(Koran, Sure 26, Vers 88) und das gilt aber auch für diese Welt.

Heute, anlässlich des Aschura-Tages, habe ich vor, über die husaynische Bewegung zu sprechen. Sie ist etwas sehr Außergewöhnliches. Gott sei gedankt, dass unser ganzes Leben mit der Erinnerung an Imam Husayn (as) erfüllt ist.

Über die Bewegung dieses Ehrenwerten ist viel gesprochen worden. Aber während man darüber nachdenkt, (stellt man fest, dass) das Feld des Denkens, der Forschung und des Studiums weitläufig ist und noch viele Aussagen über dieses gewaltigen, außergewöhnlichen und beispiellose Ereignisses existieren, worüber wir nachdenken müssen und uns (gegenseitig) berichten müssen. Wenn wir seine Hoheit Aba Abdullah (as, Imam Husayn) von dem Tage an, an dem er Madina verließ und nach Mekka ging, bis an dem Tage, an dem er die köstliche Essenz des Martyriums erlebte, betrachten, so kann gesagt werden, dass mehr als 100 Lektionen (und Lehren) aus diese paar Monate anhaltende Bewegung zu ziehen sind. Man kann (sogar) sagen, dass es tausende Lektionen sind. Ja, auch das ist richtig, weil jeder Wink seiner Hoheit eine Lektion sein könnte. Aber, dass wir von über 100 Lektionen sprechen, d.h. wenn wir die Aktionen untersuchen, so werden wir 100 Themen finden, die jedes für ein Volk, eine Geschichte, ein Land, die Selbsterziehung, die Leitung einer Gesellschaft oder Nähe zu Gott dienen können. Deshalb ist es, dass Husayn Ibn Ali wie eine Sonne in der Welt unter den Heiligen der Welt strahlt. D.h. wenn wir alle Propheten, Imame, Märtyrer und aufrichtige Menschen als Monde und Sterne betrachten, strahlt dieser Ehrenwerte wie eine Sonne.

In dieser Bewegung und diesem Ereignis gibt es eine Hauptlektion. Warum führte Imam Husayn (as) einen Aufstand? Die Antwort dieser Frage ist die Hauptlektion dieser Bewegung. Imam Husayn (as) war in Mekka und Madina angesehen und in Jemen hatte er derart viele Anhänger. Warum ging er zu einer Stelle, an der er Yazid gegenüber stehen musste? Warum führte er den Aufstand (gegen Yazid)? Wie war die Sachlage?

Heute, an vielen Orte der islamischen Welt, gibt es eine Bedingung (und einen Grund) für den Aufstand und die Reformbewegung. Die Muslime müssen ihrer Pflicht nachkommen und Verderben und Irrweg von den Gesellschaften entwurzeln. Die Wirkung Aschuras ist nach über 13 Jahrhunderte immer noch siegreich. Die Katastrophe Aschuras ist der Wegweiser des Sieges dieser Wirkung.

Manche möchten sagen, dass seine Hoheit die verdorbene Herrschaft Yazids beseitigen und seine eigene Herrschaft errichten wollte. Ich sage nicht, diese Aussage sei falsch, sondern sie ist halbrichtig. Wenn diese Aussage bedeutet, dass dieser Ehrenwerte den Aufstand nur für das Errichten einer Herrschaft führte, (dann müsste es) derart (sein), dass sobald er sieht, dass das Ziel nicht erreichbar ist, er sagen muss: Kehren wir zurück. Wenn jemand mit der Intention der Herrschaft in Aktion tritt, schreitet er solange voran, wie es möglich ist. Sobald er (aber) vermutet, dass die Möglichkeit dieser Aktion nicht gegeben ist, ist seine Pflicht die Rückkehr. Wenn man mit den Ziel der Errichtung einer Herrschaft voranschreitet, so ist es solange zulässig (zu gehen), solange es möglich ist; und dort, wo es nicht mehr möglich ist, muss er zurückkehren. Wenn (aber) jemand sagt, das Ziel des Aufstands war allein eine Herrschaft der Aliden zu errichten, so ist (stellt sich die Frage: Ist) es denn die Intention gewesen? Nein, das ist nicht richtig! Weil die Gesamtheit dieser Bewegung dies nicht so darstellt.

Manche haben die Gegenposition ergriffen. Seiner Hoheit wusste, dass er keine Herrschaft errichten kann, also kam er, um das Martyrium zu erlangen. Diese Aussage ist Zeitweise in aller Munde gewesen. Manche haben dies mit schönen dichterischen Beschreibungen erwähnt. Ich sah sogar, dass manch unserer großen Gelehrten auch dieses sagten: Er habe für die Errichtung der Herrschaft den Aufstand geführt und sein Ziel sei das Errichten der Herrschaft gewesen und er führte nicht den Aufstand für das Martyrium.

Ich denke, dass diejenigen, die sagen, das Ziel des Aufstands Imam Husayns sei entweder Herrschaft oder Martyrium gewesen, zwischen Ziel und Folge verwechselt haben. Diese waren nicht das Ziel. Imam Husayn hatte ein anderes Ziel, aber das Erreichen dieses Ziels verlangte nach einem Weg und einer Bewegung. Diese Bewegung hat eines der beiden Folgen. Natürlich hatte der Imam für die beiden (Möglichkeiten) die Bereitschaft. Er hat sowohl die Vorbereitungen für die Herrschaft, als auch die des Martyriums getroffen. Unabhängig davon welche eintraf, war sie richtig und nicht zu bemängeln. Aber keines war das Ziel. Diese beiden waren die Folgen.

Wenn wir das Ziel Imam Husayns (as) in einem Satz erwähnen wollen, müssen wir sagen, dass das Ziel dieses Ehrenwerten darin lag, eine gewaltige Pflicht der religiösen Pflichten nachzukommen, wobei niemand vor Imam Husayn diese (Pflicht) je erfüllt hat. Weder der Prophet, noch der Fürst der Gläubigen (Imam Ali), noch Imam Hasan hatten diese Pflicht erfüllt (erfüllen müssen). Dieses war eine Pflicht, die in dem Hauptgebäude des Denk-, Werte- und Praxissystems des Islams einen hohen Stellenwert hat. Obwohl diese Pflicht eine fundamentale und wichtige Pflicht darstellt, wurde diese Pflicht bis zur Zeit Imam Husayns nicht erfüllt.

Imam Husayn musste dieser Pflicht nachkommen, damit diese eine Lehre für die Geschichte wird. Der Prophet hat die (islamische) Herrschaft aufgebaut und diese Errichtung der Herrschaft wurde für die Geschichte eine Lehre. Oder (anders ausgedrückt) der Prophet hat im Wege Gottes Dschihad geführt (= sich angestrengt) und dies wurde eine Lehre für die Muslime und die Menschheit. Diese Pflicht musste von Imam Husayn (as) erfüllt werden, damit es für die Muslime und die Geschichte eine praktische Lektion wird. Warum musste aber Imam Husayn diese Arbeit verrichten? Weil die Bedingung der Erfüllung dieser Pflicht zur Zeit Imam Husayns erfüllt wurde. Wenn diese Bedingung zur Zeit Imam Husayns noch nicht auftrat und stattdessen z.B. in der Zeit von Imam Ali Naqi (as; 10. Imam) vorgekommen wäre, so hätte Imam Ali Naqi diese erfüllt.

Dann wäre die große Zeit des Geschlachtetwerdens der islamischen Geschichte, der Imam Ali Naqis (as) geworden. Wenn es zurzeit Imam Hasan Mudschtabas (as) (2. Imam und äterer Bruder Imam Husayns) erfüllt wäre, so hätte er diese Arbeit (vorher) verrichtet. Wenn es zurzeit Imam Sadiqs (6. Imam) erfüllt wäre, so hätte er diese Arbeit verrichtet. In der Zeit vor Imam Husayn kam es nicht vor und nach Ihm in der gesamten Zeit der Verborgenheit (des 12. Imams) kam es auch nicht vor.

Also ist das Ziel die Erfüllung dieser Pflicht gewesen. Dann wird die Erfüllung der Pflicht natürlicherweise einer der beiden Folgen mit sich bringen: Entweder begeht man die Pflicht und man erreicht die Macht und Herrschaft. Imam Husayn war bereit, und wenn er die Macht bekam, so hätte er diese Macht genommen und hätte die Gesellschaft wie zur Zeit des Propheten und des Fürsten der Gläubigen verwaltet. Oder man erzielt die Macht nicht und gelang zum Martyrium. Gott hat seine Hoheit derart erschaffen, damit er die Last jenes Martyriums, das bei derartiger Angelegenheit vorkommt, ertragen kann und er ertrug es auch.

Liebe betende Schwestern und Brüder! Der ehrenwerte Prophet (sas) und jeder Prophet, der erschien, brachte eine Reihe von Vorschriften mit sich. Manche dieser Vorschriften sind persönliche, damit der Mensch sich selbst verbessert; und mache sind gesellschaftliche, damit die Welt der Menschheit erbaut wird, das Leben der Menschheit verwaltet wird und die menschliche Gesellschaften errichtet werden. Der Islam ist in das heilige Herz des Propheten (sas) offenbart worden und als Folge ist das Gebet, das Fasten, Armensteuer, Almosen, Pilgerfahrt, persönliche Beziehungen, Dschihad (=Anstrengung) im Wege Allahs, Errichtung eines islamischen Wirtschaftsystems, Beziehung zwischen Regenten und Bürgern und die Pflichten der Bürger gegenüber der Herrschaft gebracht worden. Diesen gesamten Komplex brachte der Islam für die Menschheit und all dieses hat der Prophet (sas) erwähnt. "Von Allem, was Euch dem Paradiese näher bringen und von der Hölle fernhalten, habe ich Euch bereits berichtet". Alle Vorschriften, die einen Menschen und eine Gesellschaft zum Wohl führen, hat der ehrenwerte Prophet (sas) praktiziert und erwähnt. In der Zeit des Propheten ist die islamische Herrschaft und Gesellschaft errichtet worden, islamische Wirtschaft und Dschihad wurden errichtet und islamische Armensteuer wurde eingezogen.

Die Ingenieure dieses Systems des ehrenwerten Propheten sind diejenigen, die nach ihm (auf der Position) sitzen; die Führer dieses Zuges auf der Linie des ehrenwerten Propheten (sas), sind diejenigen, die nach ihm (auf der Position) sitzen.

Die islamische Gesellschaft und Person muss sich in dieser Richtung und auf dieser Linie hin bewegen. Wenn so eine Bewegung erfolgt, dann erzielen die Menschen die Vollkommenheit und werden rechtschaffen. Dann wird bei den Menschen Unterdrückung, Verderben, Zwietracht und Armut beseitigt werden. Die Menschheit gelangt an das vollkommene Glück und wird ein perfekter Diener Gottes.

Dieses System hat der Islam durch den ehrenwerten Propheten (sas) offeriert und in einer Ecke der damaligen Gesellschaft der Welt mit dem Namen Madina errichtet. Hier bleibt eine Frage offen und zwar, wenn nun eine Hand oder ein Ereignis diesen Zug, den der ehrenwerte Prophet im Gange gesetzt hat, entgleisen lässt, was ist nun die Pflicht? Wenn die islamische Gesellschaft entgleist und diese Entgleisung derart vorangetrieben ist, dass die Befürchtung der Entgleisung des gesamten Islams und der islamischen Erkenntnis vorliegt, was ist dann die Pflicht? Wir haben zwei Arten von Entgleisungen: In einer Zeit, werden die Leute verdorben, aber die islamische Vorschriften werden nicht zerstört. In einer anderen Zeit werden die Leute verdorben (und) die Herrschaft wird auch verdorben. Die Gelehrten und Sprecher der Religion werden auch verdorben. Von den verdorbenen Menschen wird doch überhaupt keine korrekte Religion verbreitet. Sie verfälschen die Wahrheiten und den Koran. Sie verschmähen die Guten (Taten) und loben die Schlechten. Sie verdrehen das Verbotene zum Guten und das Gute zum Verbotenen. Sie verdrehen eine gerichtete Linie genau um 180 Grad in die andere Richtung. Wenn die islamische Gesellschaft und das System zu so einer Situation gelangen, was ist dann die Pflicht?

Natürlich haben der Koran und der Prophet die Pflicht dargelegt. Der Prophet hat es gesagt, aber konnte er dieser göttlichen Verpflichtung nachkommen? Nein, weil diese göttliche Anordnung dann praktikabel ist, wenn die Gesellschaft entgleist ist. Wenn die Gesellschaft entgleist und langsam aus der Bahn gerät und zerstört wird, und wir diese Anordnung der Änderung des Zustands und der Wiederbelebung oder gemäß heutigen Ausdruck "die Revolution" nicht haben, was nützt uns dann die Herrschaft? So ist die Anordnung zur Rückkehr der irregeleiteten Gesellschaft auf die Hauptlinie, nicht weniger bedeutend als die Anordnung zur Herrschaft selbst. Vielleicht kann man sagen, dass deren Bedeutung größer ist als die Anordnung zur Bekämpfung der Gott-Leugner. Vielleicht kann man sagen, dass deren Bedeutung größer ist als die Anordnung zum normalen "Aufruf zum Guten" und der "Ablehnung des Verbotenen"; vielleicht kann man sagen, dass deren Bedeutung größer ist als die Anordnung zum großen göttlichen Dienst wie die Pilgerfahrt (Hadsch). Warum? Weil diese Anordnung Garant zur Wiederbelebung des Islams nach der Schieflage des Sterbens ist. Wer muss dieser Anordnung und Verpflichtung nachkommen? Einer der Nachfolger des Propheten in jener Zeit, in der die Entgleisung stattfindet, unter der Voraussetzung, dass die Rahmenbedingung stimmt. Denn Gott hat keine Verpflichtung auferlegt für etwas, dass keinen Nutzen hat. Nun, in der Zeit Imam Husayns (as) fand die Entgleisung statt und die Rahmenbedingung stimmte auch, also muss Husayn den Aufstand führen. Die Entgleisung fand statt, weil nach Muawiyah jemand an die Macht kam, der sogar nicht einmal die Äußerlichkeiten des Islams wahrte. Wein trank er (Yazid, Sohn Muawiyas), falsche Handlungen beging er, deutlich zeigte er sexuelles Verderben und Übergriffe, gegen den Koran sprach er und gegen den Islam war er ganz öffentlich, aber er wollte nicht den Namen des Islams von sich ablegen, da er sich Anführer der Muslime nannte.

Er ist nicht praktizierend, interessiert und sorgevoll gegenüber dem Islam. Von seiner Existenz heraus ergießt sich stinkendes Wasser in die Gesellschaft hinein. Der Herrscher sitzt auf dem Gipfel. Alles, was von ihm herausquillt, bleibt nicht dort, sondern übergießt und vereinnahmt den Berg. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Bürgern, ist der Schaden und das Verderben größer, umso höher eine Person (in der Position) sitzt. Genauso wenn er ein rechtschaffener Mensch wird, die Rechtschaffenheit von ihm hervorgeht und den ganzen Berghang überflutet. Ein derart verdorbener Herrscher ist nach Muawiyah zum Kalifen der Muslime geworden. Gibt es denn eine größere Entgleisung? Dass man sagt, dass die Rahmenbedingung günstig war, bedeutet, dass die Stimmung der islamischen Gesellschaft derart war, dass die Botschaft Imam Husayns (as) in jener Zeit und in der Geschichte gehört wurde und wird. Wenn Imam Husayn (as) in der Zeit von Muawiyah einen Aufstand geführt hätte, so wäre die Botschaft begraben worden. Das hängt mit der Situation der Herrschaft in der Zeit von Muawiyah zusammen. Imam Husayn steht solchen Entgleisungen entgegen und die Rahmenbedingung war günstig. Also musste er dieser Pflicht nachkommen. Es gab keine Entschuldigung.

Als Abdullah Ibn Dscha´far, Muhammad Ibn Hanifah und Abdullah Ibn Abbas zu seiner Hoheit sagten, dass dieser Weg gefährlich sei und er nicht gehen solle - sie wollten sagen, dass diese Pflicht Gefahr berge und folglich aufgehoben wird - wussten sie nicht, dass diese Pflicht nicht zu jenen Pflichten gehört, die durch eine Gefahr (fürs Leben) aufgehoben wird.

Wo es auch immer in der Welt Verderbnis gibt, so ist dort Imam Husayn (as) lebendig und zeigt mit seiner Tat und Methodik jenen, was zu tun ist.

Diese Pflicht birgt stets Gefahr. Wo gibt es denn, dass ein Mensch derart willensstark einen Aufstand gegen eine Herrschaft führt und es birgt keine Gefahr? Die Aktion Imam Khomeinis (ra) war jene selbe Pflicht Husayns. Dem Imam (Khomeini) sagte man auch, sie haben sich gegen den Schah gestellt und es sei gefährlich. Hat der Imam das etwa nicht gewusst? Wusste der Imam nicht, dass der Sicherheitsapparat des Pahlavi-Regimes die Menschen einfängt, foltert und ins Exil schickt? Doch, der Imam wusste das sehr gut.

Das, was in der Zeit Imam Husayns (as) stattfand, fand in unserer Zeit in kleiner Rezeptur statt. Nur einen Unterschied gab es. Dort führte es zum Martyrium und hier (und heute) zu Errichtung der Herrschaft (der Islamischen Republik). Das ist das gleiche. Das Ziel Imam Husayns (as) war das gleiche wie bei unserem ehrenwerten Imam (Khomeini). Also, ist das Ziel der Rückkehr zum Islam und der islamischen Gesellschaft auf die richtige Bahn. Wann? Wenn sie vom Weg abkommt; die Dummheit, die Unterdrückung, die Tyrannei und der Verrat einiger Personen die Muslime von Weg drängt und die Rahmenbedingung gegeben ist.

Natürlich hat die Geschichte verschiedene Phasen. Manchmal ist die Rahmenbedingung gegeben, manchmal nicht. In der Zeit Imam Husayns (as) war sie gegeben, in unsere Zeit war sie auch gegeben. Es gibt Zeiten, in der man einen Aufstand wagt und dieser Aufstand zur Herrschaft führt. In unserer Zeit war es so. Ein anderes Mal führt der Aufstand nicht zur Herrschaft, sondern zum Martyrium. Besteht denn in so einer Situation etwa die Pflicht nicht? Doch, auch wenn es zu Martyrium führt, ist es Pflicht. Also können wir sagen, dass Imam Husayn (as) den Aufstand führte, um jene große Pflicht zu erfüllen, nämlich die Wiederbelebung des islamischen Systems und der Gesellschaft. Diese Aufgabe ist durch Aufstand, Gutes gebieten und Schlechtes verwehren möglich.

Hat denn der Aufstand, der das Martyrium zur Folge hat, keinen Nutzen? Doch, es ist kein Unterschied, ob der Aufstand zu Martyrium führt oder zu Errichtung der Herrschaft; (beides) ist nützlich. Jedes hat eine Art von Nutzen. Hauptsache ist es, dass man der Verpflichtung nachkommt und Imam Husayn (as) ist dieser nachgekommen; nur ist dabei Imam Husayn (as) einer, der diese Aktion als erstes ausgeführt hat und es vor ihm niemals (derart) getan wurde.

Also können wir sagen, dass Imam Husayn (as) den Aufstand führte, um dieser großen Verpflichtung nachzukommen, die darin lag, das Fundament des Systems und der islamischen Gesellschaft zu erneuern und den Aufstand gegen das gewaltige Abgleiten zu führen. Dies ist auf der Methode des Aufstands, Gutes gebieten und Schlechtes verwehren möglich. Er selbst ist das große Beispiel dieses Guten Gebietens und schlechten Verwehrens.

Jener Abend, in dem Walid, der Regent Madinas, seine Hoheit zu sich zitiert hatte und (ihm) sagte: "Erkennt Yazid an!", (so) sagte seine Hoheit, dass bis zum Morgengrauen gewartet werden solle: "Wir schauen und Ihr schaut, wo das Recht auf das Kalifat steht". Ich muss nachdenken, ob ich oder Yazid an die Macht gelangt. Am nächsten Tag sah Marwan seine Hoheit auf der Straße Madinas und sprach: "O, Aba Abdillah! Du tötest Dich selbst. Wieso erkennst Du den Kalifen nicht an"? Seine Hoheit antwortete: "Wir stammen von Allah und kehren zu Ihm zurück. Man muss sich vom Islam verabschieden, wenn ein Regent wie Yazid an der Spitze sitzt".

Seine Hoheit möchte mit diesen Worten klar machen, dass was bisher war, war (irgendwie noch) erträglich, aber nun steht der Islam als Ganzes in Frage. (Hier) geht es um die ganze Religion, das gesamte System, und mit einer Person wie Yazid geht all diese verloren. Imam Husayn (as) bezeichnet die Gefahr des Entgleisens als sehr ernst und wertet dieses als ein Abirren vom Kern des Islams.

Imam Husayn (as) hat in seinem Testament beim Verlassen Mekkas nach dem Schwur zum Monotheismus niedergeschrieben: "Einige sollen sich nicht irren, die Propagandisten sollen nicht behaupten, dass Imam Husayn wie andere, die hie und da einen Aufstand machen, um die Macht zu erhalten, in der Arena des Kampfes treten. Wir handeln nicht derart". Der Titel dieser Aktion lautet: Korrektur! Imam Husayn (as) sagt (weiter): "Vielmehr will ich korrigieren, ich stehe auf (mache einen Aufstand), um die Korrektur bei dem Volk meines Großvaters einzuführen". Imam Husayn (as) sagt, ich will die Herrschaft bereinigen und dies ist jene Pflicht, die noch niemand vorher erfüllt hat. Diese Korrektur findet durch den Aufstand statt. Seine Hoheit betont diesen Punkt in seinem Testament. D.h., erstens will ich einen Aufstand machen und zweitens ist mein Aufstand für die Verbesserung (und) nicht damit garantiert die Herrschaft errungen wird oder hingehe und sicher zum Märtyrer werde. Dann sagt seine Hoheit: "Ich will das Gute gebieten und das Schlechte verwehren und den Weg meines Großvaters beschreiten". Die Korrektur erfolgt auf diesem Wege.

Seine Hoheit hat in Mekka zwei Briefe geschrieben. Einen an die Anführer in Basra und den anderen an den Anführer in Kufa. In dem Brief an den Anführer Basras steht: "Ich will die Bida´ (=Fälschung) bei den Menschen beseitigen, die Sunnah (=Tradition) des Propheten wiederbeleben, weil sie (=Bani Umayyah) die Sunnah getötet haben und die Bida´ belebt haben. Wenn Sie mit mir kommen, so ist der rechte Weg bei mir". D.h. ich will jener Pflicht nachkommen und jene Tradition des Propheten und des islamischen Systems wieder beleben.

In dem anderen Brief an die Bewohner Kufas schreibt er: "Eine Person, die sich in Sünde, Ungültigkeit, Verrat, Verderbnis und Ferne zu Gott befindet, darf nicht Imam, Anführer und Oberhaupt der islamischen Gesellschaft sein. Es muss jemand sein, der in der Gesellschaft das Buch Gottes praktiziert, die Gerechtigkeit walten lässt, (wodurch) die Wahrheit zum Gesetz der Gesellschaft wird, die Religion der Gesellschaft wahrheitsfolgend wird". Imam Husayn zeigt das Ziel klar auf. Er verlässt Mekka. Bei jeder Rast unterwegs hält er eine Rede zu verschiedenen Ansprechpartnern.

Bei einer Rast mit dem Namen "Baydah" spricht seine Hoheit zu dem Feind, während Hurr Ibn Yazid an seiner Seite ist: "Der Prophet (sas) sagte: Wenn jemand sieht, dass der Herrscher unterdrückt, das Verbotene Allahs zum Erlaubten macht, das Erlaubte zum Verbotenem macht, die göttliche Anordnung beiseite schiebt und nicht praktiziert, den anderen nicht zur Praxis aufruft, selbst gegenüber den Dienern Gottes mit Unterdrückung und Aggression umgeht" - und Yazid war ein vollkommenes Beispiel dafür - "und (diese Person) nicht mit Worten und Taten gegen sie vorgeht, so wird Allah diesen Schweiger zum selben Schicksal wie dasjenige des Unterdrückers verurteilen". Das heißt, er wird in der gleichen Reihe eingestuft. Dies hat der Prophet gesagt! Also hat der Prophet darauf hingewiesen, was zu tun ist, wenn das islamische System entgleist. Imam Husayn (as) hat sich auf diese Aussage des Propheten berufen.

Was ist also die Pflicht? Die Pflicht lautet: "Veränderung mit Worten und Taten". Wenn man in so eine Situation gerät, natürlich auch die Bedingung günstig erscheint, ist es Pflicht, dass der Mensch gegen diese Tat in Aktion tritt und einen Aufstand führt. So weit man kommt, man stirbt (oder) lebendig bleibt, äußerlich Erfolg hat oder nicht, jeder Muslim muss gegenüber dieser Situation einen Aufstand ausführen. Dies ist die Verpflichtung, die der Prophet anordnete.

Dann sagt er (Imam Husayn): "Ich bin von allen Muslime würdiger diesen Aufstand zu führen, (denn) ich bin der Sohn des Propheten" (Anm. des Übersetzers: Auch ein Enkel wird als "Sohn" bezeichnet). Wenn der Prophet jeden einzelnen der Muslime diese Veränderung zur Pflicht machte, nun, Husayn Ibn Ali (as) der Sohn des Propheten (sas), der Erbe seines Wissens und Weisheit, ist von allen am würdigsten und am geeignetsten für den Aufstand. Nun, deshalb hat er den Aufstand geführt. Dementsprechend, legte er seinen Grund für den Aufstand dar. Die Veränderung bedeutet jene Aktion und Aufstand gegen jene Situation.

Bei der Rast von "Uzayb" hatten sich vier Personen seiner Hoheit angeschlossen. Er sagte: "Bei Gott! Ich wünsche, dass was Gott mit uns vorhat gut sei, sei es wir getötet werden oder siegen". Das ist auch das Zeichen dafür, dass es nichts ausmachen würde, wie erwähnt. Es besteht keinen Unterschied, ob sie siegen oder das Martyrium erreichen. Die Pflicht muss erfüllt werden. Er sprach, dass ich meine Hoffnung in jenem sehe, das Allah für uns als Heil vorgesehen hat, sei es wir würden sterben oder den Sieg erzielen. Es liegt kein Unterschied vor.

In der ersten Khutbah nach dem Erreichen des Gebietes von Karbala sprach er: "Denn diese Sache betrifft uns bereits, wie Ihr seht", dann fuhr er fort "Ihr seht nicht, dass das Recht nicht befolgt wird und das Unrecht nicht unterlassen wird! Doch ein Gläubiger soll bemüht sein sich die Begegnung mit seinem Herrn zu verdienen". Also hat Imam Husayn (as) den Aufstand als eine Pflichterfüllung ausgeführt. Diese Pflicht betrifft jeden einzelnen der Muslime im Laufe der Geschichte und zwar, wenn sie sehen, dass das System der islamischen Gesellschaft eine fundamentale Verderbnis erfährt und die Gefahr besteht, dass die islamische Vorschriften vollständig geändert werden, so muss man den Aufstand führen. Natürlich, wenn die Rahmenbedingung günstig erscheint und man erkennt, dass der Aufstand eine Wirkung zeigt. Lebendig bleiben, nicht sterben und nicht Qualen und Leiden ausgesetzt werden, gehören nicht zur Rahmenbedingung. Also führte Imam Husayn (as) den Aufstand und praktizierte seine Verpflichtung, damit sie eine Lektion für alle wird. Es kann sein, dass jeder im Laufe der Geschichte bei günstiger Bedingung diese Aktion durchführt, wobei nach Imam Husayn (as) bei keiner der Imame jemals diese Bedingung vorlag, was noch einer eigenen Interpretation und Analyse bedarf, warum sie nicht vorlag. Denn es gab andere wichtige Aufgaben, die erfüllt werden mussten. Eine derartige Rahmenbedingung ergab sich in der islamischen Gesellschaft (bei den Imamen) eigentlich nie wieder, wobei allerdings im Laufe der Geschichte solche Bedingungen in den islamischen Ländern häufig vorkamen. Auch jetzt gibt es in der islamischen Welt verschiedene Orte, in denen die Bedingung existiert und die Muslime ihrer Pflicht nachkommen müssen. Wenn sie dieser nachkommen, haben sie ihre Pflicht erfüllt und den Islam gesichert und garantiert. Sicher werden (sie) eins (oder) zwei Niederlagen erleiden, (aber) wenn die Veränderung, Aufstand und Reformbewegung wiederholt wird, so wird sicherlich Verderben und Entgleisung entwurzelt. Niemand kannte diesen Weg. Keiner wusste über diese Aktion(smöglichkeit), da dieser zur Zeit des Propheten (sas) nicht ausgeführt wurde. In den Zeiten der ersten Kalifen wurde es ebenfalls nicht praktiziert. Der Fürst der Gläubigen (as), der unfehlbar war, hatte es auch nicht getan. Deshalb hat Imam Husayn (as) praktisch gesehen eine große Lehre der gesamten Geschichte des Islams gegeben. Er hat in Wirklichkeit sowohl in seiner Zeit, als auch in allen Epochen den Islam gesichert. Wo auch immer ein Verderben jener Natur vorliegt, dort ist Imam Husayn (as) lebendig und zeigt mit seiner Methode und Handeln was zu tun ist. Deshalb muss die Erinnerung an Imam Husayn (as) und an Karbala lebendig bleiben. Denn die Erinnerung an Karbala führt diese Lektion vor Augen. Leider ist in anderen islamischen Ländern die Lehre Aschuras nicht derart bekannt, wie es bekannt sein müsste. Es muss bekannt werden.

In unserem Lande haben die Bürger Imam Husayn (as) und seinen Aufstand verstanden. Die Seele (des Volkes) war husaynisch. Deshalb, als der Imam (Khomeini, ra) sagte, Muharram sei der Monat des Sieges des Blutes über das Schwert, wunderte es sich nicht. Die Wahrheit ist genauso in Tat umgesetzt wurden und das Blut hat über das Schwert triumphiert. Ich hatte einige Jahre zuvor in einer Versammlung etwas erwähnt und dies war das Beispiel der in Mowlawi´s (Werk) "Masnawi" erwähnten Papageien. Dies ist ein Beispiel und diese Beispiele dienen dazu die Wahrheiten zu erläutern. (Einst) hatte einer einen Papagei im Hause. Als dieser nach Indien gehen wollte, verabschiedete er sich von seiner Familie. Dann verabschiedete er sich von seinem Papagei und sagte ihn, ich gehe in Deine Heimat Indien. Hast Du keine Botschaft oder Wunsch. Der Papagei erwiderte: "Doch, gehe an jenen Ort. Dort leben meine Freunde und Verwandten. Sage denen, dass (hier) einer von ihnen bei uns im Hause ist und beschreibe meine Situation. Nichts anderes will ich". Der Kaufmann ging nach Indien und an den (besagten) Ort. Er sah viele Papageien auf den Bäumen sitzen. Er sprach zu denen: "O ihr lieben, guten Papageien! Ich bringe Euch eine Botschaft. Diese lautet: Einer von Euch ist in unserem Hause. Ihm geht es gut und (er sitzt) im Käfig. Er hat ein gutes Leben und Essen und er grüßt Euch". Sobald die Worte des Kaufmanns zu Ende waren, flogen die Papageien, die auf den Bäumen saßen, los und fielen zu Boden. Er ging hin und sah, dass sie tot sind. Er bedauerte seine Worte. Mit Bedauern ging er Heim. Als er in sein Haus ankam, ging er zu dem Käfig des Papageien im Hause und sagte, dass er die Botschaft ausrichtete. Der Papagei fragte begierig, was sie geantwortet hätten. Der Kaufmann sagte: "Sobald sie Deine Botschaft hörten, sind sie alle von den Bäumen gefallen und starben". Sobald diese Worte vom Kaufmann verlautet wurden, fiel der Papagei zu Boden des Käfigs und starb. Der Kaufmann wurde sehr traurig und öffnete den Käfig. Er schmiss ihn (den Papagei) auf das Dach. Sobald er ihn hinschiss, flog der Papagei los und setzte sich auf die Mauer. Er bedankte sich beim Kaufmann und sagte: "Du selbst hast meine Freiheit ermöglicht. Ich war nicht tot. Ich habe so getan, als würde ich tot sein. Dies ist die Lehre, die jene Papageien gaben. Als sie vernommen hatten, dass ich hier gefangen bin, haben sie mir praktisch beigebracht, was ich zu tun hätte, um frei zu kommen. Stirb, damit Du lebst! Ich habe deren Botschaft von Dir bekommen. Dies ist die Lektion, die mich von dort erreichte und ich diese nutzte".

Meine Wenigkeit sagte vor 25 Jahren zu den Geschwistern, die meine Worte hörten: "Meine Lieben! In welcher Sprache soll Imam Husayn (as) uns sagen, was unsere Pflicht sei?" Die Bedingung des Lebens und des Islams ist die gleiche (wie an jenen Tagen). Imam Husayn (as) hat praktisch allen Generationen gezeigt, wenn selbst kein Wort über Imam Husayn (as) gesprochen wird, müssten wir erfassen, was unsere Pflicht ist. Ein Volk, das gefangen ist und in Ketten liegt, ein Volk über dem die Feinde der Religion regieren und dessen Leben und Schicksal in der Hand halten, muss im Laufe der Zeit verstehen, was seine Pflicht ist. Weil der (Enkel-)Sohn des Propheten (sas), der unfehlbare Imam gezeigt hat, was bei so einer Situation zu tun ist. Mit Worten ging das nicht. Wenn er dies in 100 Sprachen (bzw. Formen) gesagt hätte, aber selbst nicht (den Weg) gegangen wäre, so wäre es nicht möglich gewesen, dass die Botschaft durch die Geschichte hindurch uns erreichen konnte. Es wäre nicht möglich gewesen. Ratschläge und Worte gehen nicht durch die Geschichte. Auf Tausend Arten und Weisen begründet und analysiert man es. Es muss eine Tat sein, dann auch noch mit solch einer Opferbereitschaft, mit solch einer großen, schweren und schmerzhaften Aktion, die Imam Husayn (as) vollbrachte. Wahrlich! Das, was uns an Szenen von Aschura vor Augen schwebt, dazu muss man sagen, dass bei all den Tragödien der menschlichen Verbrechen, die wir kennen, das Ereignis von Karbala einzigartig ist.

So wie der Prophet (sas), der Fürst der Gläubigen (as) und Imam Hasan (as) es sagten - so wie es in den Überlieferungen steht -: "O Husayn, kein Tag ist wie Dein Aschura und kein Ort ist wie Dein Karbala".

Es folgten durch das Oberhaupt Klagegesänge über die Ermordung von Husayn Ibn Ali und seinen mutigen Sohn Ali Akbar.

17. Juni 1994 / 1373.03.27 H. Schamsi / 07. Muharram 1415 H. Qamari

Übersetzt von Seyed Mahdi Hadjizadeh (Die Transkription der arabischen Begriffe ist aus technischen Gründen nicht immer korrekt, sondern nur das möglichst Machbare, wofür hier um Verständnis und Vergebung gebeten wird)

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